Die rasanten technischen Entwicklungen im Bereich der Informationstechnologien bieten völlig neuartige Möglichkeiten im Bereich der Kommunikation auf globaler Ebene. Dem erleichterten Zugang zur Information wird allerdings nicht immer mit einem gesteigerten Angebot an wertvollen Inhalten entsprochen, so daß eine selektive Wahrnehmung der gelieferten Informationen sich bereits als ein entscheidendes Kriterium für die Benutzer des 21. Jahrhunderts herauskristallisiert. In diesem Zusammenhang fällt wiederum auf, daß das Informationsgefälle zwischen Industrieländern und weniger entwickelten Ländern in bis jetzt unbekanntem Ausmaß weiter zunimmt, wie im 10. UN-Dokument über die Entwicklung (menschliche Ressourcen) ausgeführt wird.
Hiervon bildet Lateinamerika keine Ausnahme, wobei im Bereich der wissenschaftlichen Kommunikation mit Europa große technische Fortschritte in den letzten Jahren gemacht worden sind. Allerdings stellt der deutschsprachige Raum –trotz des traditionellen Interesses Lateinamerikas an Ergebnissen deutscher Forschung– weiterhin ein schwer zugängliches Gebiet dar, vor allem wegen der Sprachbarriere.
Hauptziel des Zentrums für wissenschaftliche Kommunikation mit Ibero-Amerika e.V. / Centro de Comunicación Científica con Ibero-América - CCC - als Zentralstelle in Deutschland ist es, in ausgewählten Wissenschaftssparten für eine kontinuierliche Kommunikation zwischen der deutschsprachigen Forschung und dem gesamten ibero-amerikanischen Raum einen Beitrag zu leisten. Hierfür sollen auch im Rahmen einer Zusammenarbeit auf europäischer Ebene wissenschaftliche Institutionen aus Österreich, der Schweiz, Spanien und Portugal gewonnen werden, die sich sowohl inhaltlich (mit eigenen Beiträgen) als auch finanziell am Projekt beteiligen.
Aufgaben des CCC sind demnach die Aktivierung und Förderung des Austausches von Informationen und Publikationen zwischen dem deutschsprachigen Raum und Ibero-Amerika, wobei die Kommunikation vor allem über folgende Medien vorgesehen ist:
Mit der Gründung des CCC wurde der Versuch unternommen, mit geringem Aufwand die Lücke teilweise zu schließen, welche die Auflösung des "Instituts für wissenschaftliche Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern" (IWZE) am 31.12.1999 hinterlassen hat. Gleichzeitig kann auf dessen in langjähriger Arbeit entwickelte Ressourcen, Kenntnisse und spezielle Verbindungen zu Institutionen und wichtigen Personen des öffentlichen Lebens in Lateinamerika zurückgegriffen werden. Diese Verbindungen, die im IWZE über Jahrzehnte gewachsen sind, stellen eine wichtige Schaltstelle des Wissenstransfers zwischen Deutschland und Lateinamerika dar.
In diesem Institut sind langjährige Erfahrungen mit der Intensivierung des Informationsflusses zwischen Lateinamerika und Deutschland gesammelt worden. Das IWZE hat im Laufe der letzten 30 Jahre Wissenschaftlern, Hochschulen und Bibliotheken in den Entwicklungsländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas regelmäßig entwicklungsrelevante Ergebnisse deutschsprachiger Forschung in Form von Publikationen ("Textdokumentationen") vermittelt. Durch den Aufbau eines entsprechenden Verteilers konnten etwa 22.000 Partner in den sogenannten Entwicklungsländern diese Materialien in ihrer Forschungs- und Lehrtätigkeit verwerten.
Das Echo aus Lateinamerika war besonders stark. Dies gilt sowohl für den Bereich der angewandten Wissenschaften (Umweltforschung, Geoökologie) als auch für die Sozialwissenschaften (Recht und Wirtschaftspolitik, Erziehungswissenschaften, Wirtschafts- und Sozialgeographie). So kann auf die außergewöhnliche Resonanz der Reihe "Educación" hingewiesen werden, die mit ihren 60 Bänden den lateinamerikanischen Erziehungswissenschaftlern und Praktikern inzwischen zu einem wichtigen Instrument geworden ist, das oft den einzigen Zugang zu den Ergebnissen deutschsprachiger Entwicklungspädagogik verschafft. Die Auswirkungen derartiger Programme lassen sich zwar schwer quantifizieren, es dürfte aber außer Zweifel stehen, daß die durch die Zeitschrift "Educación" ermöglichte permanente Auseinandersetzung mit entwicklungsrelevanten Erziehungsfragen des deutschen Sprachraums eine bedeutende Rolle für die Aufrechterhaltung kultureller Präsenz in Lateinamerika spielt. Dies gilt insbesondere mit Blick auf die eminent wichtige Bedeutung, welche die moderne Entwicklungspolitik der Erziehung und Ausbildung für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung zumißt.
Die Reihe "Educación" wird von der neuen CCC ebenso übernommen, wie die ebenfalls sehr erfolgreiche sozialwissenschaftliche Zeitschrift "Diálogo Científico", die im Rahmen der Auswärtigen Kulturpolitik der Bundesrepublik Deutschland durch Inter Nationes Bonn seit 1992 finanziert wurde. Allein mit dieser Zeitschrift hat die Abteilung Lateinamerika und Karibik des inzwischen aufgelösten IWZE über 500 Fachzeitschriften aus Spanien, Portugal und Lateinamerika, die an die entsprechende Fachbibliotheken in Deutschland verteilt wurden. Darüber hinaus sollen zwei neue Reihen entstehen, die ebenfalls zentrale Aspekte der geographischen bzw. der rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Diskussion in Deutschland erfassen und für lateinamerikanische Interessenten zugänglich gemacht werden könnten (Details in der Anlage). Für die Fortsetzung der Reihen "Educación", "Geografía Aplicada" und "Estado y Sociedad" haben sich bereits spanische Institutionen bereit erklärt, neben den fachlichen Aufgaben auch technische Unterstützung zu gewähren (z. B. bei Druck und Versand).
Mit dem CCC wird ebenfalls angestrebt, eine Kontaktstelle zu hoch qualifizierten Gesprächspartnern in Spanien, Portugal und Lateinamerika entstehen zu lassen, die auch als Ansprechpartner für lateinamerikanische Meinungsmultiplikatoren aus allen Teilen des politischen und kulturellen Lebens dienen könnte. In den bis jetzt erschienenen sechs Bänden der Reihe "Länderseminare des IWZE" zu Kuba, Mexiko, Mittelamerika, Brasilien, Argentinien und Kolumbien (ein Band zu Peru ist in Vorbereitung).sind z. B. ca. 120 Experten aus Deutschland und Lateinamerika vertreten, welche den bis jetzt von der Abt. Lateinamerika und Karibik des IWZE mit Lateinamerika intensiv geführten wissenschaftlichen Dialog sowie die Möglichkeiten der Zusammenarbeit dokumentieren
Das Wissen um den kulturellen, d.h. auch wissenschaftlichen Hintergrund, erleichtert es Gesprächspartnern, sich besser zu verstehen. Sowohl in Europa als auch in Lateinamerika wird nicht selten einseitig die wirtschaftliche und soziale Entwicklung betont, ohne den Stellenwert der kulturellen und menschlichen Beziehungen ausreichend zu würdigen. Das CCC möchte hier für eine Abhilfe sorgen.
Tübingen, im Mai 2000